Kurze Klassenzimmeranekdote - oder: was in der Vorstadtschule funktioniert, klappt in Pachamama noch lange nicht...

Ein ganz normaler Schultag: Langos San Miguel, morgens um halb 10.

Ich stehe vor meiner Englischklasse, die aus Schuelern vier verschiedener Jahrgangsstufen besteht. Muehsam erklaere ich Marcela, Mateo und Johanna die naechste Aufgabe ihres Arbeitsblattes.
Es will nicht so richtig anlaufen.
Um uns herum streiten sich Wilson und Paúl wegen eines zerbrochenen Bleistifts, Achik rennt quer durch Klassenzimmer zum Muelleimer und Jorgito fordert am anderen Ende des Raumes lautstark doch auch endlich ein neues Blatt.
Ich wuensche mir Ruhe.
Mir faellt ein, was mich als Kind immer beeindruckt hat. Einen Versuch ist es wert:
Ich stecke zwei Finger in den Mund, hole tief Luft und schicke einen kurzen, schrillen Pfiff durchs Klassenzimmer.
Schrecksekunde.
Mir bleibt Zeit, meine Message und die Bitte um Ruhe in allgemeiner Aufmerksamkeit loszuwerden.
Wie angenehm, die Stille haelt einige Minuten an, ich kann meine Gedanken sortieren und die Kinder konzentrieren sich endlich auf ihre eigentlichen Aufgaben.
- Das hat ja gut geklappt, werde ich mir merken!

Eine Woche spaeter: Pachamama

Gleiche Situation, nur dass der Laermpegel durch die kleinen, in den Unterricht mitgebrachten Geschwisterchen, nocheinmal verstaerkt wird.
Gut, jetzt weiss ich ja, was hier hilft.
Ich setze an, ein kurzer, schriller Pfiff.
Und...
Anstelle wohl ersehnter Ruhe ein froehliches Echo verschiedenster Pfeiftoene aus allen Ecken des Raumes.

Ich muss schmunzeln.
Von klein auf werden meine Schueler aus Pachamama als Hirtenkinder mit den Herden losgeschickt.
Wie konnte ich meinen, gerade sie mit meinem einfachen Pfeifen beeindrucken zu koennen?